Emschergenossenschaft

Essen

Erweiterung der Hauptverwaltung Emschergenossenschaft Essen

Architektonisches Konzept
Mit dem Neubau wird ein weiterer Baustein in das bestehende Gebäudeensemble aus unterschiedlichen Bauepochen gesetzt und dem historischen Ursprungsgebäude ein zukunftsweisendes Gegenüber geschaffen. Der Entwurf sieht einen geschwungenen Baukörper vor, der durch subtil ausgearbeitete Vor- und Rücksprünge auf Sichtbezüge und innenräumlichen Nutzungen reagiert. Ohne mit dem Hauptgebäude zu konkurrieren, wird für die zweite Eingangssituation ein markantes Signet geschaffen. Die vorgelagerte homogene Lamellenfassade spannt sich wie eine leichte Membran zwischen den Bestand. Im Gegensatz zu den introvertierten Bürostrukturen im Altbau spiegelt die transparente Architektur die neue offene Arbeitswelt im Inneren wider.

Moderne Arbeitswelten
Ein Kern mit Sanitär- und Nebenräumen bildet das Rückgrat einer ansonsten flexibel gestaltbaren Fläche. Das Stützenraster entwickelt sich aus der Tiefgarage und lässt die Organisation in Einzel- und Großraumbüros zu. Die dynamische Raumform entspricht der kommunikativen Konzeption der neuen Bürolandschaft, wirkt sich positiv auf die Raumakustik aus und lässt differenzierte Zonen für unterschiedliche Arbeitsformen zu. Die Unterteilung in Einheiten bis zu ca. 400 m² gewährleistet dabei den erforderlichen Brandschutz.

Restaurant
Über das großzügige Eingangsfoyer im EG erreicht man das Restaurant, das sich in drei attraktive Raumangebote für Mitarbeitende und Gäste gliedert: die bestuhlte Gastrozone und eine erhöhte Lounge zum Innenhof sowie der Saal mit großen Tischen und Ausrichtung zum südlich gelegenen Park bieten die Möglichkeit für Rückzug oder Gesellschaft in entspannter Atmosphäre. Eine größtmögliche Transparenz der Fassade stärkt den einladenden Charakter im EG sowohl im Innenhof als auch auf der Straßenseite. Der Küchentrakt liegt mit Anlieferungsfläche an der Mozartstraße und funktioniert autark.

Konferenz
Im 5.OG befindet sich in herausragender Lage der Besprechungsbereich aus zwei zusammenschaltbaren stützenfreien Räumen und der davor gelagerten Lobby. Die Ausbildung als Staffelgeschoss erlaubt die Nutzung der Dachfläche als Dachterrasse mit schönem Ausblick auf die Genossenschaft und die benachbarte Parkanlage. Das 5. OG ist über das Foyer im EG unabhängig von den Büroetagen zu erreichen.

Erschließung in den Lichtfugen
Die Haupterschließung im Foyer mit Treppenanlage und rollstuhlgerechtem Aufzug bietet in jeder Etage den Ausblick ins Grüne, der Gang nach oben wird im 5. OG mit hervorragendem Ausblick auf Essen belohnt. Die Anbindung an den Bestand wird in den offenen mehrgeschossigen Gebäudefugen in Szene gesetzt. Eine Gebäude- Fuge zum Bauteil E beinhaltet einen zweiten Rettungsweg für den Neubau und bildet eine weitere Belichtungsebene des open space in den Büroetagen. Durch Split-Level-Treppen wird der Niveauunterschied der beiden Gebäudeteile gelöst. Der gestaffelte Bestand von Bauteil A bekommt lediglich eine Witterungshülle, es entsteht ein thermisch geringer temperierter mehrgeschossiger Wintergarten mit zusätzlichem Pausenangebot. Diese Lichtfuge ermöglicht Sonneneinstrahlung aus Süden in den Innenhof und einen Blick aus den Büroetagen auf die Parklandschaft.

Konstruktion und Materialität
Das statische Konzept besteht aus Stützen, Unterzügen, Decken und einem aussteifenden Sanitärkern. Ziel ist es, materialsparend und wo möglich mit der nachwachsenden Ressource Holz zu arbeiten. Aufgrund der geringen Geschosshöhen wird für die Primärkonstruktion eine Stahlbetonbauweise mit möglichst geringem Materialanteil aus Recyclingbeton gewählt. Alle nicht-tragende Elemente, wie Fassaden und Innenwände werden als Holzkonstruktion hergestellt. Die Betonwände erhalten Sichtbetonqualität, so dass Ausbaugewerke wie Putz und Malerarbeiten z.T. eingespart werden können. Die Leichtbauwände in den Bürozonen werden mit Holz-Akustikpaneelen beplankt. Die Fassadenelemente werden inklusive Verglasung im Werk modular vorgefertigt und an den Deckenkanten montiert. Sie bestehen größtenteils aus einer Holz-Pfosten-Riegel-Konstruktion, dreifacher Festverglasung und geschlossenen Lüftungsflügeln zur Nachtauskühlung oder manuellen Lüftung. Aus zuletzt genanntem Material wird auch der außenliegende Sonnenschutz in Form von geschosshohen Lamellen ausgeführt. Bedarfsgerecht werden diese zur Sonnenseite mit Photovoltaikzellen bestückt. Die Lamellen werden entsprechend ausgerichtet und starr montiert. Die Holz-Gitterkonstruktion aus Kertoträgern im 5. OG überspannt stützenfrei den großen Konferenzraum und schafft eine dem Raum angemessene Atmosphäre. Die Ausfachungen werden abwechselnd mit Lichtdecken und Akustikelementen bestückt.

Pergola
Die neue Fassadenebene vor den Bestandsgebäuden besteht aus einer Holz-Pergola mit Pflanztrögen aus Recycling-Kunststoff, die den Rhythmus der dahinterliegenden Fassaden aufnehmen und als homogene dreidimensionale Struktur den Bestand überlagert. Durch die Tiefe der horizontalen begehbaren Gitterroste und die winterharte Bepflanzung werden Sonnenschutz und Mikroklima verbessert. An den Straßen mit erhöhter Verkehrsemission wird eine Structural-Glazing-Fassade als weitere Schicht vorgelagert. Die Frischluft wird an dieser Stelle über eine Anbindung an den Innenhof und einen Lüftungskanal im Sockelbereich zugeführt und zirkuliert über die offenen Gitterroste nach oben ins Freie.